
Die
Geschichte der AMI-Musikboxen
Die Geschichte von AMI begann lange
bevor die ersten "echten" Musikboxen gebaut wurden. Der Betrieb war 1909 gegründet worden und stellte automatische und münzbestätigte Musikinstrumente her.
National Piano Manufacturing Company (ab 1925)
Ein Teilbetrieb, die National Automatic Music Company, baute in den 20er-Jahren das legendäre
"Nickelodeon".
Das war ein Piano ohne Tastatur das mit Papierrollen(ähnlich einem Lochstreifen) gesteuert wurde. Es verfügte über einen Wechselmechanismus für 8 Rollen und war in der Lage, 8 verschiedene Musikstücke zu spielen. Da die Papierrollen sehr empfindlich waren, mussten sie wöchentlich ausgetauscht werden. Die Geräte wurden nicht verkauft, sondern von AMI aufgestellt und betreut.
Der Multi-Reproducer, also derWechselmechanismus und die Teile die zum Spielen nötig waren wurden von AMI selbst gebaut. Das Piano selbst wurde von der Bush & Lane Piano Company, einem bekannten Pianobauer, gefertigt. Betätigt wurde das Nickelodeon durch Einwurf eines 5 Cent- Stück.
Der Multi-Reproducer war sehr aufwendig und enthielt eine Menge sehr interessante Details, die auch von Bedeutung bei der Entwicklung der Musikautomaten mit Schallplatten waren. Der Wechselmechanismus wurde hydraulisch bestätigt. Den nötigen Drück lieferte eine elektrisch betriebene Pumpe. Für jede der 8 Papierrollen war ein eigener Einwurfschlitz vorhanden und die Auswahl des gewünschten Musikstücks erfolgte einfach durch Einwerfen einer Münze in den entsprechenden Einwurfschlitz. Während des Abspielens wurde die Nummer des spielenden Musikstücks in einem kleinen Fenster angezeigt. Auf der Papierrolle war eine eigene Perforation, die das Ende des Musikstücks anzeigt und den Mechanismus veranlasste, die Rolle zurückzuspulen. Außerdem war es möglich, eine elektrische Fernbedienung
anzuschliessen.
Auch andere Instrumentenbauer verwendeten den AMI Multi-Reproducer. Erzeugter wie Bush & Lane und Welte bauten Klaviere mit einem modifizierten Multi-Reproducer vom AMI. Diese konnte
wahlweise normal bespielt werden, oder, über eine elektronische Fernbedienung gesteuert, automatisch spielen.
Nachdem 1925 von Western Electrics der elektronische Tonabnehmer für die Schellackplatten und die zugehörigen Verstärker entwickelt worden waren, gab es plötzlich die Möglichkeit, eine neue
Art von Musikboxen zu bauen. 1926 entschloss man sich diese neue Möglichkeiten zu nutzen. Die Wahlvorrichtung aus dem Nickelodeon wurde mit dem nach seinem Konstrukteur benannten Kenyon-Mechanismus kombiniert. Der Wechsler hatte wie alle späteren AMI-Modelle einen Greiferarm der die gewählte Platte aus dem Magazin hob und auf den Plattenteller legte. Der Mechanismus war für viele
Jahre der einzige der in der Lage war beide Seiten der Schallplatten abzuspielen. Das Magazin fasste 10 Schallplatten, es standen daher 20 Musikstücke zur Auswahl. Die Wahl erfolgte wie beim Nickelodeon durch Einwerfen einer Münze in einen von 20 Einwurfschlitzen.
AM bzw. die Abteilung "National Piano Manufacturing Company", besaß wertvolle Patente aus der Nickelodeon-Ära und verfügte über den technisch besten Wechslermechanismus. Allerdings wurden bis zum Jahr 1936 die Geräte nicht verkauft, sondern nur leihweise aufgestellt und von AMI-Angestellten betreut. Dadurch war zwar der Service optimal, die Verbreitung der Geräte beschränkte sich jedoch auf jene Gebiete, in denen ein AMI-Stützpunkt vorhanden war. Diese Taktik dürfte bewirkt haben, dass AMI den Entwicklungsvorsprung nicht richtig umsetzen konnte und von anderen Erzeugern überflügelt wurde. Es war daher unumgänglich, die Taktik zu ändern und die Geräte in Zukunft an Aufstellfirmen bzw. Großhändler zu verkaufen.
Automatic Instrument Company (ab 1934)
Beim Modell "F" (1931-33) gab es technische Probleme. Alle Geräte mussten zurückgerufen werden. Es wurde ein neuer Chefingenieur engagiert unter dessen Leitung die Geräte umgebaut wurden. Die Geräte bekamen auch ein neues Gehäuse und wurden 1934 als Modell "FR" wieder in Betrieb genommen. Nach der Reorganisation wurde der Firmenname in "Automatic Instrument Co" geändert.
Automatic Musical Instrument Co (ab 1941)
Ab 1941 wurde wieder der Firmenname "Automatic Musical Instruments" verwendet und später in
"Automatic Music Inc." geändert.
1941 wurde ein neues System eingeführt, das "Hostess Telephone System". In die Geräte war ein
Telefon eingebaut. Damit konnte man die Verbindung zu einer in einem Nebenraum sitzenden "Hostess" aufnehmen und Musikwünsche bekannt geben. Die Hostess legte die gewünschte Platte auf, die in der Folge über die Musikbox-Lautsprecher abgespielt wurden. Man konnte auch Durchsagen machen lassen. Ähnliche Systeme wurden auch von Seeburg, Rock-Ola und anderen gebaut. Nach dem Krieg wurde dieses System vermutlich aus Kostengründen nicht mehr angeboten.
1951-1955 wurde die Umstellung auf die neuen Vinylplatten mit 45 upm vollzogen. Es gab jeweils eine Modellvariante für Schellacks und Vinyl. Die Geräte konnten auch nachträglich durch Austauschen von Mechanismus und Tastatur/Titelhalter umgerüstet werden. Ab 1956 wurden die Schellack- Version nicht mehr produziert.
Die Modelle G-200 bis J und das Modell K-200E verwendet serielle Datenübertragung von der Tastatur zum Wechslermechanismus. Bei diesen Modellen ist der Anschluss von Fernwählern direkt (ohne zusätzlichen
Stepper) möglich.
Ab dem Modell I kann ein Stereoverstärker nachgerüstet werden. Die Modelle "Lyric 2" und "Continental 2" und alle folgenden haben serienmäßig Stereoverstärker eingebaut. Dabei wurde das "Stereo Round"-System eingeführt. Durch seitlich abstrahlende Mittel- und Hochton-Lautsprecher entsteht der Eindruck
einer breiteren Stereobasis.
Rowe AMI Troy, Hills Road Wippany, New Jesey ( ab 1963)
1962 wurde der Betrieb von "Rowe AG Services", einer Abteilung der "Automatic Canteen Company Of America" übernommen und der Name " Rowe AMI" eingeführt.
Rowe International Inc. (ab 1968)
1968 kam es neuerlich zu einem Eigentümerwechsel. Die Bezeichnung "Automatic Canteen Company" wurde von der "Triangle Conduit & Cable Co. Inc." verwendet.
AMI-Geräte wurden in den 50er-Jahren von einigen europäischen Firmen in Lizenz gebaut, IMA-AMI von "Jensen Music Automates" in Kopenhagen Dänemark und BAL-AMI von der "Balfour Engineering Company" in Ilford Essex (England). Auch in Frankreich gab es eine Produktionsstätte (Eden-AMI).
Im Juli 2006 wurde die 1.000.000-ste Musikbox (inklusive Nickelodeon) produziert. AMI ist daher nicht nur der am längsten bestehende Erzeuger, sondern auch der Größte. Zurzeit kommen weltweit 55-60% aller CD-und Downloadboxen von Rowe/AMI.